Interview mit der WAZ am 20.11.2015

In den 16 Jahren Bühnenerfahrung, die Stefan Kolkenbrock hat, spielte der Bottroper Schauspieler schon viele Rollen: vom verliebten Lysander in Shakespeares „Sommernachtstraum“ bis zum diabolischen Jago aus „Othello“. Sein Werdegang war nicht immer geradlinig. Der 27-Jährige hatte mit Hindernissen, Umwegen und Gegenpositionen zu kämpfen. Nicht wenige rieten ihm, eine andere Laufbahn einzuschlagen. Kolkenbrock ließ sich nicht beirren, arbeitet und lebt von der Schauspielerei und seiner Arbeit als DJ. Zur Zeit ist er am Theater „Essen Süd“ sowie am Theater Duisburg zu erleben. Für die WAZ sprach Maximilian Hulisz mit Stefan Kolkenbrock über neueste Rollen und Zukunftspläne.

Herr Kolkenbrock, Sie sagen von sich selbst, einen langen Weg hinter sich zu haben – und das mit 27. War es denn nicht immer schon ihr Ziel, Schauspieler zu werden oder hatten Sie auch andere Pläne?

Stefan Kolkenbrock: Nein, ich war mir zwischenzeitlich nicht ganz sicher, ob der Beruf der richtige für mich ist. Ich habe, nachdem ich von dem Gymnasium mit einem Realschulabschluss abgegangen bin, eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gemacht. Danach war es mir wichtig, mein Fachabi nachzuholen. Auf Rat meiner Freunde habe ich ein Studium im Wirtschaftsingenieur-Wesen angefangen – bis ich mich gefragt habe, was machst du eigentlich hier.

Das wäre eine komplett andere Laufbahn gewesen. Wie kamen Sie denn zum Schauspiel?

Stefan Kolkenbrock: Meine Großmutter hat mich im zarten Alter von 10 oder 11 Jahren zum Casting von „Tabaluga und Lilli“ mitgenommen. Mit großen Sternen in den Augen beobachtete ich das Bühnengeschehen und stellte mich vor. Das führte zu einer anderthalbjährigen Statistenrolle, bei der ich meine erste Gage verdiente. Ich stand in dieser Zeit etwa 40 Mal auf der Bühne, ein Traum ging in Erfüllung. Seit diesem Zeitpunkt nahm das Schauspielen einen festen Platz in meinem Leben ein.

Wann kam der Zeitpunkt, an dem Sie sagten: das ist mein Traum, das ist das, was ich möchte?

Stefan Kolkenbrock: So einfach ist das nicht zu datieren. 2002 bis 2008 habe ich unter der Leitung von Jörg Wilms an der Kulturwerkstatt in Bottrop in verschiedenen Stücken gespielt. Mir wurde die Möglichkeit gegeben, mich auszuprobieren. Dort habe ich gemerkt, wie schön es ist, in andere Rollen zu schlüpfen. Wie es der Zufall so wollte, kam ich danach an das Theater Duisburg und habe dort an offenen Castings für Jugendliche teilgenommen – dem Projekt „Spieltrieb“.

War das Ihr Durchbruch?

Stefan Kolkenbrock: Durchbruch – nein! Jedoch war ich ab 2009 mit dem Stück „Hautnah“ fünf Jahre auf Tour. Den ersten „Profivertrag“ gab es aber erst in diesem Jahr mit dem Stück „Der Hausmeister“ von Harold Pinter.

Was war bis jetzt die interessanteste Rolle, die Sie gespielt haben?

Stefan Kolkenbrock: Eindeutig Jago aus Othello. Es macht unglaublich viel Spaß, die Strippen zu ziehen und andere Charaktere gegeneinander auszuspielen. Ich schlüpfe gerne in die Rolle des Antihelden, jedoch bin ich nicht auf ein Profil festgelegt.

Wenn Jago für Sie die bisher interessanteste Rolle war, dann gab es doch sicherlich auch Rollen, die Ihnen nicht so lagen?

Stefan Kolkenbrock: Da fällt mir ein lustiges Erlebnis aus meiner Jugend ein. Ich sollte nachdem ich in „Tabaluga und Lilli“ gespielt habe, bei „Jesus Christ Superstar“ singen, aber ich kam in den Stimmbruch. Damit hatte sich der Job erledigt. Wer weiß wo ich jetzt wäre, hätte das mit Rolle geklappt – vielleicht im Musical.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus, gibt es ein bestimmtes Stück oder eine spezielle Rolle, von der Sie schon immer träumen?

Stefan Kolkenbrock: Die Rolle, die ich spiele, soll zu mir passen. Ich weiß noch nicht genau, wohin mein Weg mich weiter führt. Ich bin für Neues offen und freue mich über Chancen, die sich bieten.

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